Was soll man machen, wenn die eigenen Vereine schon am Samstag gespielt (0:0, 1:0 & 2:0) haben und man trotzdem ein Fussballspiel live sehen will, weil man aus arbeitstechnischen Gründen die eigenen Spiele nicht sehen konnte?
Tja, auf Fernsehfussball hatte ich kein Bock, also hab ich mir gedacht, man kann doch mal gucken, was so in den heimischen Kreisligen los ist. Kurz überlegt, welche Klasse (A, B oder C) und sich spontan für die unterste Liga entschieden. Dann noch geguckt, wo auf jeden Fall Tore fallen, und sich direkt die Mannschaft mit der schlechtesten Tordifferenz rausgesucht. Ergo konnte es nur ein Spiel geben: 1. FC Mülheim-Styrum III – Holthausener TV II (der Gastverein hatte bis zum heutigen Spiel zwar schon neun Punkte geholt, aber eine Tordifferenz von -127).
Kurz noch geguckt, wann Anpfiff ist und wie man da hinkommt und schon musste ich los, da das Spiel in knapp 50 Minuten angepfiffen wurde.
Nach einer kurzen Zugfahrt in die Nachbarstadt und einem kurzen, knapp zehnminütigen Fussmarsch war ich auch pünktlich zum Anpfiff am Ground. Was würde mich hier jetzt wirklich erwarten? Die Heimmannschaft steht im sicheren Mittelfeld ohne Chance auf eine Tabellenplatzverbesserung und von den Gästen hab ich eh nix erwartet. Erste Feststellung: die dritte Mannschaft spielt für lau (nur für die erste Mannschaft, die heute in die Bezirksliga aufstieg, wird kassiert); zweite Feststellung: Ascheplatz knochentrocken; dritte Feststellung: mit mir 16 Zuschauer.
OK, jetzt bin ich da, jetzt will ich Tore sehen – und ich sollte nicht enttäuscht werden! Das Spiel dauerte kaum fünf Minuten, da durfte der Holthausener Torwart den Ball das erste Mal aus dem Netz fischen, und keine sechs Minuten danach war der Ball schon wieder hinter ihm eingenetzt. Jetzt hatte ich aber auch mal ein bisschen Offensivspiel von den Gästen erwartet, doch der Angriff kam bis zur Mittellinie und schon ging es wieder aufs eigene Tor. Naja, dann halt weiter in eine Richtung und das bei der unsichersten Abwehr, die ich seit dem 20.01.07 gesehen habe/beteiligt war. Und nach knapp 20 Minuten wusste sich die Abwehr nicht mehr anders zu helfen, als mal das Bein stehen zu lassen, was der Schiedsrichter auch direkt mit gelb und einem Foulelfmeter für die Mülheimer belohnte. Was jetzt geschah, könnt ihr euch sicher denken:
Genau, der Elfmeter wurde sicher verwandelt, da der Torwart schon am Boden lag, als der Schütze gerade Anlauf nahm. Damit war das Spiel dann auch für die Gäste gelaufen, denn von den anfänglichen Versuchen einer Viererkette wurde jetzt auf Schweizer Käse-Taktik umgestellt – Löcher in der Abwehr so weit das Auge reichte. Das wurde von der Heimmannschaft auch dankend angenommen, denn es folgte ein einziger Angriffswirbel auf das Gästetor. Jetzt konnten die Holthausener nur froh sein, das die Mülheimer nicht ernst machten, sondern die Bälle locker nach vorne spielten, so das ab und zu doch noch mal ein Abwehrbein dazwischen kam. Aber trotzdem sollte es noch dreimal im Holthausener Tor einschlagen, bevor der Schiri zur Halbzeit pfiff.
Da ich in der ersten Halbzeit auf der Seite des Holthausener Tors stand, hab ich mir gedacht, das ich mich auch mal an die Regeln halte und das Spielchen mit dem Seitenwechsel mitmache. Gesagt, getan und erfreut festgestellt, das es doch ein schattiges Plätzchen auf diesem staubigen Ground gab. Kaum hatte ich mein neues Plätzchen eingenommen und der Pfeifenmann das Spiel wieder angepfiffen, da wurde mein Verlangen nach Toren weiter gestillt, denn es stand nun 7:0. Aber jetzt kam der Schrecken der Holthausener, der mir den meisten Spass an dem Spiel bereitete. Mangels Trainer wechselte er sich Netzer-like selber ein und sollte von nun an die Abwehr der Gäste organisieren. Und wie er das machte: Er gab alles, liess den Gegner mit Ball links an sich vorbei, rechts an sich vorbei, liess sich tunneln und kam selten länger als fünf Meter mit dem Gegner mit. Dafür wusste er aber immer, wer der Schuldige war, nämlich der Mitspieler auf der anderen Seite des Spielfelds. Und nach kurzer Zeit war mir auch klar, warum er konsequent auf der Aussenbahn blieb; seine Freundin stand da nämlich und versorgte ihn regelmässig mit Hopfenkaltschalen zur Erfrischung. So war es auch nicht verwunderlich, das das Spielchen so weiterging, wie es in der ersten Halbzeit endete, es folgte weiterhin ein Sturmlauf auf das Gästetor. Doch die Zielsicherheit, die schon in der ersten Hälfte fehlte, wollte in der zweiten Hälfte auch nicht so richtig eintreten, denn weiterhin verfehlten zu viele Bälle das Tor (ich hab in dem Spiel mindestens 14 Aluminiumtreffer für die Mülheimer gezählt), so das erst nach rund einer Stunde das 8:0 durch einen fulminanten Schuss aus der zweiten Reihe folgte. In den nächsten zehn Minuten ging das Spielchen mit den regelmässigen Pfostenschüssen weiter, woraus dann plötzlich nach rund 70 Minuten die erste Chance für die Holthausener resultierte. Der Ball wurde endlich mal vernünftig hinten abgefangen und sauber nach vorne zum wartenden Angreifer gespielt, der den Ball dann aber leider im Strafraum der Mülheimer verstolperte, so das die Heimmannschaft zur ersten Ecke der Holthausener klären konnte. Doch die Ecke wurde kümmerlich vergeben. Jetzt spielten die Mülheimer das alte Spielchen weiter, nur mit dem Unterschied, das sie nicht mehr bis zur Grundlinie gingen, sondern einfach mal aus 16 Meter drauf hielten und den Ball locker einnetzten. So durften die Holthausener zum zehnten Mal den Anstoss ausführen, was sie keine 40 Sekunden später wieder durften, da der Anstoss keine zwei Stationen in den Reihen der Gäste blieb, sondern direkt bei den anstürmenden Einheimischen landete, die den entnervten Torhüter keine Chance liessen. Jetzt war das Ergebnis zweistellig, was meinen Wünschen entsprach, und ich war nur enttäuscht über die mangelnde Chancenauswertung. Aber dafür durfte sich der Torwart der Mülheimer zum ersten Mal bewähren, da rund neun Minuten vor Abpfiff mal ein Schuss der Gäste auf sein Tor kam. Das war aber kein Problem für den Torwart, der danach auch direkt seinen schon seit Beginn der Halbzeit andauernden Smalltalk fortsetzte. Kurz darauf sollte dann der Gästetorwart zum elften Mal den Ball aus seinem Tor holen, was auch der Schlusspunkt des Spiels war, da der Schiedsrichter kurz darauf abpfiff.
Das Fazit des Spiels: Eine total überforderte Gästemannschaft, die selbst gegen Thekenmannschaften Probleme haben dürfte; eine Heimmannschaft, die locker im hohen 20er-Bereich hätten gewinnen können, wenn sie konsequenter durchgespielt hätten und einen für dieses Wetter untauglichen Ground, ausser man leidet schon an Staublunge.
Bilder zu diesem Spiel findet man übrigens hier.
7. Mai 2007 um 9:46 |
Ach ja immer wieder interessant diese Besuche in der “Möhrchenliga”!
10. Mai 2007 um 6:10 |
was heisst hier “möhrchenliga”?
das ist schwerster existenzkampf!